Am 18. September haben das Bundesministerium der Finanzen und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ihre „Blockchain-Strategie“ veröffentlicht, die zeigt, wie Deutschland sich in Zukunft dem Ökosystem der Blockchain annehmen und in diesem Bereich tätig sein wird.

Tatsächlich sagten die Ministerien, sie würden sich bemühen, das Land zu einer Anlaufstelle für Blockchain-Entwicklungsaktivitäten zu machen:

„Das junge und innovative Blockchain-Ökosystem in Deutschland soll erhalten bleiben und weiter wachsen. Deutschland sollte ein attraktiver Standort für die Entwicklung von Blockchain-Anwendungen und Investitionen in deren Skalierung sein. Gleichzeitig sollten Großunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen und Start-ups sowie der öffentliche Sektor, Länder, zivilgesellschaftliche Organisationen und Bürger in die Lage versetzt werden, fundierte Entscheidungen über den Einsatz von Technologien zu treffen“.


Der Strategieplan

Um die neu definierten Blockchain-Ziele zu erreichen, sagte die Bundesregierung, dass sie unter anderem einen „investitions- und wachstumsorientierten Regulierungsrahmen“ für die heimische Kryptoökonomie entwickeln will, damit die Märkte „ohne staatliche Eingriffe funktionieren und das Prinzip der Nachhaltigkeit gewährleistet ist“.

Darüber hinaus erklärten die Ministerien, dass sie einen mehrstufigen Ansatz verfolgen würden, um zu einer Blockchain-Hub zu werden, nämlich durch die Förderung von Unternehmern, die Förderung von Investitionen, die Gewährleistung von Stabilität, die Ermöglichung eines fairen Wettbewerbs, die Förderung der internationalen Zusammenarbeit, die Unterstützung von Interessengruppen und die Gewährleistung der Privatsphäre in ihrem Bereich des Ökosystems.

Insbesondere wurden diese Ziele und die zugrunde liegende Strategie in den letzten Monaten durch Gespräche mit mehr als 150 Interessengruppen der Kryptoökonomie erarbeitet. Jetzt geht es darum, alles in die Tat umzusetzen.


Fokussierung auf Finanzen, Kryptovermögen, Wertpapiere

Offensichtlich hat der Finanzbereich einen gewissen Schwerpunkt in der Blockchain-Strategie mit ziemlich klaren Zielen, die sich in den kommenden Monaten und Jahren ergeben werden.

Zusammengefasst hat die Regierung das folgende vor:

Wertpapiere auf der Kette: Beginnend mit Schuldverschreibungen als ersten Versuchen zur Dematerialisierung von Wertpapieren.

Euro auf der Kette: E-Money-Regeln werden erwähnt und daher „empfohlen“, um den Euro auf Blockchain-Systemen zu bekommen. Mehr dazu erfährst du hier.

„Traditionelle“ Krypto-Assets wie Bitcoin oder Ethereum etc.: Grundsätzlich erlaubt für den institutionellen Handel unter neuer, noch zu spezifizierender BaFin-Lizenz. Mehr dazu erfährst du hier.

Private Stablecoins wie Libra, gold-gedeckte Token: werden wahrscheinlich blockiert werden.

Wertpapiere: grünes Licht.
Euro auf der Kette: grünes Licht.
Bitcoin & Co.: grünes Licht.
Private Stablecoins: rotes Licht.

Zwischen diesen Zeilen ist es sehr interessant, „grünes Licht“ für Krypto-Anlagen wie Bitcoin und Ethereum zu haben; und „rotes Licht“ für diejenigen Ansätze, die sich im täglichen Zahlungsverkehr zu einer Alternative für den Euro entwickeln könnten: private Stablecoins wie Libra usw.


Wir werden unser Geld verteidigen

Letzte Woche haben die Regierungen Deutschlands und Frankreichs Wellen geschlagen, um gemeinsam zu erklären, dass sie sich bereit erklärt haben, das Facebook Libra-Projekt zu blockieren.

Es war ein großer Schlag für die Bemühungen um den Stablecoin wobei die beiden europäischen Mächte damals erklärt hatten, dass „keine private Organisation eine Währungsmacht in Anspruch nehmen kann, die der Souveränität der Nationen innewohnt“.

Also weitere schlechten Nachrichten für Libra? Diese Erklärung war mehr als nur ein hartes Wort von Deutschland, falls die neue Blockchain-Strategie des Landes ein Anzeichen dafür ist.

„Auf europäischer und internationaler Ebene wird sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass Stablecoins nicht zu einer Alternative zu staatlichen Währungen werden“, heißt es im Strategiepapier.

Während das Land also entschlossen ist, die Innovation in der heimischen Blockchain generell zu fördern, erwarte nicht, dass die europäische Regierungen Libra schonen wird.

Die große Frage ist nun dementsprechend, ob andere kleinere europäische Länder die Führung Deutschlands und Frankreichs bei einer so strikten Haltung gegenüber der Kryptowährung von Facebook verfolgen werden. Wenn andere europäische Mächte dem Beispiel folgen, könnte Libra den Kontinent verlassen.


Blockchain als Beweis vor Gericht

Es ist interessant, dass die Blockchain-Strategie einen gewissen Fokus auf Bereiche legt, die bisher nicht im Fokus des Blockchain-Ökosystems stehen: So wird beispielsweise im Dokument erwähnt, dass Blockchain-Transaktionen aus rechtlicher Sicht als Nachweis verwendet werden sollten. So könnten beispielsweise Blockchain-Transaktionen bei Gericht verwendet werden, wenn etwas bewiesen wird. Der kluge Anwalt sagt nun, dass das bestehende Recht ausreicht und ein Anwalt könnte ohnehin „argumentieren“, dass während eines Prozesses eine Blockchain-Transaktion vor Gericht verwendet werden könnte. Aber offen gesagt, macht es die Dinge für Tausende von Anwälten, Hunderte von Richtern und Dutzende von Gerichten viel einfacher, wenn die Bundesregierung klar sagt, dass Blockchain-Transaktionen als Beweis vor Gericht erlaubt sind.


Abschlüsse auf der Blockchain

Als nächstes beinhaltet die Blockchain-Strategie Pläne, dass Universitätsabschlüsse und Zertifikate auf Blockchain-Systemen laufen könnten. Aus der Perspektive größerer Anwendungsfälle da draußen fühlt sich das nicht wie der Killer-Anwendungsfall an. Aber es ist ein Anwendungsfall für das Identitätsmanagement, der sich an die Nutzerschaft junger Menschen richtet und der tatsächlich von der Speicherung ihrer Leistungen und Teile ihrer Lebenslaufdaten – wie Abschlüsse und Zertifikate – in der Blockchain profitieren könnte. Somit könnten Abschlüsse auf fälschungssicher gemacht werden.


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