Laut dem Gründer von Primitive, Dovey Wan, ist der jüngste Bitcoin-Verkauf auf ein großes chinesisches Ponzi-System zurückzuführen. PlusToken, das außerhalb Chinas nur wenig bekannt ist, hat über 200.000 BTC und 800.000 ETH eingenommen, die jetzt in kleinen Mengen an den Börsen verkauft werden.


Ein weiterer Krypto Scam

PlusToken wurde Mitte 2018 gestartet und war ein klassisches Ponzi-System mit hoher Rendite. Es gab vier Ebenen der Mitgliederstruktur, die steigende Dividenden bieten. Bis Anfang 2019 hatte die Plattform 10 Millionen Mitglieder.

Das Kernteam wurde vor zwei Monaten von der Polizei festgenommen und wird laut Wan für Jahrzehnte im Gefängnis sitzen. Allerdings wurden die berichteten 3 Milliarden Dollar an Kryptowährung, die sie von den Mitgliedern ausgebeutet haben, nicht zurückgezahlt.

Viele der verwendeten Bitcoin-Wallet-Adressen gelten als Multisig, was zu der Annahme führt, dass einige Schlüsselinhaber auf der Flucht bleiben. Durch das Multisig Verfahren benötigt man mehrere Schlüssel um die Bitcoin bewegen zu können. Es könnte also sein, dass diese Bitcoin für immer eingefroren bleiben.


Der Abverkauf begann Anfang Juli

Die Sicherheitsprüfungsgesellschaft Peckshield hat den Geldfluss aus den PlusToken-Wallets überwacht und festgestellt, dass seit Anfang Juli etwa 1000 BTC in die Huobi- und Bittrex-Börsen gegangen sind. Die Gelder haben sich in kleinen Mengen von 50-100 Bitcoins pro Satz bewegt.

Unbestätigte Berichte von chinesischen Händlern deuten darauf hin, dass jemand auch konsequent 100BTC-Chargen auf Binance verkauft hat. Es wird auch angenommen, dass dies mit PlusToken zusammenhängt.


Die Börsen handeln nicht

Eine der großen Fragen rund um all das ist: „Warum hören wir erst jetzt davon?“.

Auch hier gibt es laut Wan drei Hauptgründe, warum die Börsen nicht aufmerksam geworden sind. Die wichtigste ist, dass der Scam außerhalb Chinas eher unbekannt ist, mit Ausnahme von Südkorea.

Hinzu kam, dass die chinesischen Börsen nicht tätig wurden, weil der Fall von der chinesischen Polizei „abgeriegelt“ wurde. Außerdem arbeitete die Polizei nicht mit den Börsen zusammen, da in China die Kryptowährungsbörsen offiziell verboten sind.


Was sollte man jetzt tun?

Sowohl Peckshield als auch Chainalysis überwachen die an dem Betrug beteiligten Coins, aber auch die Börsen müssen einbezogen werden. Bei Token, die bereits ausgezahlt wurden, kann potenziell wenig getan werden. Allerdings sind Börsen in der Lage, eingehende Token im Zusammenhang mit bekannten Betrugsfällen einzufrieren.

Wichtig ist, dafür zu sorgen, dass die relevanten Parteien über die Situation informiert sind. Denn 200.000 BTC, die den Markt überschwemmen, sind schlechte Nachrichten für alle.


Quelle: Text | Titelbild (Marco Verch) Lizenz